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Gas- und Bremspedal verwechselt oder Motorsteuerungsfehler?
("Sudden unintended acceleration")

von Lutz Osterwald





 
Erläuterungen 

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Statement zur Behauptung, Gas- und Bremspedal seien verwechselt worden.
(Meine Kommentare sind kursiv dargestellt) von Dr. Lutz Osterwald

Mein Auto raste plötzlich unbeabsichtigt los und beinahe unter eine Straßenbahn. Nur konsequentes Bremsen rettete uns. Rein zufällig hatte ich richtiges Bremsen kurz zuvor während eines Fahrsicherheitskurses neu geübt: Konsequent Bremsen und nicht nachlassen. Das war entscheidend.

Dass man mir in einer ersten autorisierten Werkstatt eine Verwechslung von Gas- und Bremspedal unterstellte, entsprach dem üblichen Vorgehen. Ich wusste, dass dies nicht stimmte. Nach neuerlichem Losrasen wurden, ebenfalls in autorisierten Werkstätten, Unregelmäßigkeiten der Motorsteuerung und der Drosselklappe gefunden und beseitigt. Das wurde selbst von der
Herstellerfirma bestätigt.

Seitdem setze ich mich für die Aufklärung der Öffentlichkeit ein, damit jeder weiß, dass beherztes Bremsen jedes Auto zu Stehen bringen kann. Panik ist nicht angebracht. Auch kein Schuldeingeständnis aus Unwissenheit.

Dabei stoße ich bisher vielfach auf eine Mauer des Schweigens.

Ursprünglich dachte ich, es würde leicht werden, eine bewiesene Tatsache publik zu machen. Seitens der zuständigen Behörden wurde ich zutiefst enttäuscht. Allein der ADAC, der TÜV und der Fahrlehrerverband und einige andere Experten stimmten mir zu.

Die Autohersteller täten gut daran, die möglichen, seltenen Unregelmäßigkeiten der Elektronik einzuräumen, die wie alles in der Elektronik unvermeidbar sind. „Liegt in der Natur der Sache“ schrieb das Kraftfahrtbundesamt. Die Möglichkeit, abzubremsen, sollten die Hersteller allen AutofahrerInnen bekannt machen. So könnten viele Unfälle vermieden werden und die Autoindustrie könnte Ihren Ruf damit aufbessern!


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1) Eine Betroffene schrieb mir:

Danke, Herr Dr. Osterwald, dass sie den Mut und die Ausdauer haben, sich dieses Problems anzunehmen. Auch mir ist es passiert. Ich habe angeblich Gas und Bremse verwechselt. Mir ist es beim Wenden passiert. Ich habe einen Stromverteilerkasten mit meinem Wagen (Automatik) sauber abrasiert.

Allerdings gab es in meinem Umfeld wenigstens einige Menschen mit fundierten Elektronikkenntnissen, die mir geglaubt haben.

Da es keinen Personenschaden gab, habe ich die Kröte letztendlich geschluckt und die Schuld auf mich genommen.

Immer, wenn so ein Fall in den Medien Erwähnung findet, besonders, wenn Menschen ums Leben kommen, muss ich daran zurückdenken und glaube nicht an die Schuld des Fahrers oder der Fahrerin. Auf alten Menschen wird ja dann immer besonders gerne herumgehackt.

Ich habe meinen Fahrstil nach dem Vorfall geändert. Ich bin sozusagen immer auf der Lauer, gebe beim Wenden oder Einparken nur kurz Gas und dann ist der Fuß sofort wieder auf der Bremse. Ich schaue auch genau, ob während irgendwelcher Fahrmanöver Menschen vor oder hinter dem Auto herumlaufen und warte lieber einen Moment, bis ich freie Bahn
habe.

Auch ihr war die Alternative nicht bekannt. So nahm sie die Schuld auf sich. Ich mache es im Übrigen wie sie und bin stets besonders wachsam. Auch schalte ich im Stand immer in den Leerlauf. So kann nichts passieren. Jeder sollte das wissen.

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2) ADAC Motorwelt Juli 2015

All die technischen Helfer kümmern sich um Dich und verhindern, dass hinter dem Steuer etwas schief geht. Das Auto, Dein fahrender Schutzraum. Leider nicht immer. Denn auch in modernen Fahrzeugen lassen sich technische Defekte nicht gänzlich ausschließen, können Systeme ausfallen.
 
Auto beschleunigt ungewollt. Passiert sehr selten…oder elektronische Defekte  in der Motorsteuerung. Wichtig zu wissen:
Sie können Ihr Fahrzeug in dieser Situation mit beherztem Bremsen abfangen.

…muss der Defekt genauestens analysiert werden… Dabei können die abgespeicherten Daten in den Steuergeräten helfen. Frage des Interviewers: An die kommen aber meist nur die Autohersteller oder deren Werkstätten ran. Das stimmt. Und hier liegt die Gefahr einer einseitigen Interpretation.

Damit ist alles von kompetenter Seite gesagt. Jeder Autofahrer und jede Autofahrerin muss es wissen, nicht nur die ADAC Mitglieder. Sehr selten! Ja. Wenn es, wie ich es hochrechne, mindestens 1.000 derartige Unfälle pro Jahr sind, dann sind das 0,0025 Prozent. Das ist sehr selten, aber viel zu viel, wenn Unfälle durch Aufklärung vermeidbar sind..
 
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3) Der  Vorstand einer Herstellerfirma, deren Namen ich nur mit deren Einverständnis nennen werde.

… Sie glauben ja, dieses Verhalten sei nicht mehr aufgetreten, seitdem unsere Niederlassung in… kürzlich wegen einer Unregelmäßigkeit im Motorbereich das Drosselklappenventil und später das Motorsteuergerät erneuert hatte.“

"Besten Dank für Ihre Nachricht und die beiden eindrucksvollen Büchlein." (Gemeint sind „Plötzliche unbeabsichtigte Beschleunigung von Autos“ und „Ein Auto rast plötzlich los, Bremse mit Gaspedal verwechselt oder Elektronikfehler?“).
 
 
"…möchte ich mich nun verabschieden und Ihnen viel Erfolg für Ihre neue Veröffentlichung wünschen."
 
"…Insofern danken wir Ihnen für Ihre offenen Worte und wünschen Ihnen und Ihrer Frau alles Gute für die Zukunft."
 
"Sollten Sie sich selbst an die Medien und an die Öffentlichkeit wenden wollen, bleibt dies selbstverständlich unbenommen. ….Wir stellen Ihnen insofern anheim, dass sowohl Elemente unwahrer Tatsachenbehauptungen als solche der Schmähkritik unterbleiben."
 
"Sollten Sie Ihre Bemühungen weiter voran treiben wollen, bleibt Ihnen dies selbstverständlich unbenommen… …und bitten höflich um Einhaltung des allgemeinen Äußerungsrechtes."
 
Tatsächlich hat der Wagen seitdem nicht mehr unbeabsichtigt beschleunigt. Vorher hatte er es in wenigen Wochen viermal getan. Weil ich nach dem ersten Ereignis stets besonders wachsam war und immer ganz bewusst in Bereitschaft, zu bremsen, kam es nie zu einem Unfall. Andere mit gleichen Erlebnissen machen es ebenso.

Zwischen den Zeilen lese ich, dass man es durchaus begrüßt, dass ich das Problem anspreche, damit sie es nicht tun müssen. Weil es nicht komplett lösbar ist und man die Folgen bedauert. Ein Zeichen von großer Anständigkeit.

Ausschläge des Drehzahlmessers beim Bremsen, die ich bei meinem Auto, manchen Taxis und anderen Wagen beobachtet habe, könnten darauf hindeuten, dass sich die eng zusammenliegenden Kabel von Gas und Bremse beim Druck auf die Bremse beeinflussen und unter bestimmten Umständen zu katastrophalen Fehlleistungen führen. Damit könnte es sein, dass die Drosselklappe und das Motorsteuergerät nicht wirklich Unregelmäßigkeiten aufweisen, sondern einfach nur reagiert haben.


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4) Kraftfahrtbundesamt  KBA
 
Zitat KBA:  "Dass an einem Fahrzeug grundsätzlich Defekte an allen möglichen Bauteilen auftreten können, ist unvermeidlich und liegt in der Natur der Sache… In Einzelfällen könnte solch ein individueller Defekt sicher auch zu einem unkontrollierten Verhalten des Motors führen."
 
Also unvermeidlich. Warum dann nicht öffentlich? Zumal das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) §26 eine Warnung der Öffentlichkeit vor den Risiken bei begründetem Verdacht vorschreibt.

Transparenz ist allemal besser als Verschweigen. Der Industrie würde kein Schaden entstehen, wenn wahrheitsgemäß argumentiert wird. Aber Unfälle würden vermieden, wenn die AutofahrerInnen wüssten, was im Fall der Fälle zu tun ist. Im Gegenteil, sie könnte ihrangeschlagenes Image verbessern. Weil Elektronik zwar großartig, aber nie 100 % fehlerfrei
ist, könnte sie auf die seltene Möglichkeit einer Fehlfunktion der Elektronik hinweisen und die Möglichkeit, abzubremsen, betonen. Erstaunen und höchstes Lob wäre ihr sicher.


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5) Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung des Gesamtverbandes der Versicherer (GdV):

Auto Bild: „Senioren verwechseln oft Gas- und Bremspedal. Wie passiert das? „Ich halte das für Unsinn. Der Automatikwählhebel ist vermutlich Kern des Problems. Die Leute realisieren nicht, in welcher Fahrstufe sie sich befinden und geben Gas. Bemerken sie den Fehler, sind sie überfordert, geraten in Panik und machen leider da Falsche. (Quelle Auto Bild 27.10.17. S. 61).

Das ist wichtig und verdient Beachtung. Die Verwechslung von Gas -und Bremspedal hält er für Unsinn. Dem stimme ich zu, jedenfalls für die meisten Unfälle. Man mag gelegentlich kurz aus Versehen aufs Gas treten, der Fuß zuckt aber sofort zurück, wenn der Motor aufheult.
Allerdings ist nichts unmöglich.

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6) Sudden acceleration group (USA)

Die plötzliche unbeabsichtigte Beschleunigung ist eine der häufigsten Ursachen für tödliche Unfälle in der Automobilgeschichte. Sie entsteht, wenn die Elektronik im Auto eine weite Öffnung der Drosselklappe verursacht….sie überlässt den überraschten Fahrer der Gnade des davon rasenden Fahrzeugs: Sudden acceleration group, USA (Übersetzung aus dem Amerikanischen).

Das war schon 1980. Ähnliche Aussagen wiederholen sich bis in die jüngste Zeit. Die gleichen Teile wie damals, nämlich die Drosselklappe und elektronische Steuerung, mussten bei mir jetzt ausgetauscht werden. Die Ursachen sind vermutlich inzwischen zum Teil beseitigt worden. Ganz wird das nicht gelingen, denn In der Elektronik gibt es keine Nullfehlerwelt.


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7) Bayerisches Innenministerium

Wir werden die bayerischen Polizeipräsidien über diese Möglichkeit eines Fehlers der elektronischen Motorsteuerung im Speziellen mit einer Kopie des Antwortschreibens mit Anlagen zu informieren.

Weder befragte Polzisten und erst recht nicht die Verunfallten haben bisher von der Möglichkeit von Motorsteuerungsfehlern und deren richtiger Abwehr gehört. 

Die Polizei sollte die Unterstellung einer Verwechslung der Pedale ergänzen durch eine Plausibilitätsprüfung. Dass die geschockten und unwissenden AutofahrerInnen ihre Schuld manchmal eingestehen, ist wertlos. Denn sie kennen die Alternative nicht. „Ich muss ja schuld sein“.

Eine Überprüfung der abgespeicherten Daten durch die DEKRA erfolgt selten und die Daten sind meist nur für die Autohersteller und deren Werkstätten zugänglich, wie der ADAC schreibt. Und hier liegt die Gefahr einer einseitigen Interpretation (ADAC).

Unter dem Strich wird die Wahrheit kaum beweisbar sein. Darum sollte jede Autofahrerin und jeder Autofahrer informiert sein,  dass Bremsen im Fall der Fälle erfolgreich möglich ist, sodass damit derartige Unfälle gar nicht erst passieren.

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8) Polizeipräsidium Neubrandenburg
 
„Ihre Hinweise werden wir an entsprechender Stelle kommunizieren und in die Fortbildung einfließen lassen“.
 
Vorbildlich.
 
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9) Der Fahrlehrerverband

schreibt mir, er werde meine Internetseite „Gas- und-Bremspedal-verwechselt.de“ weiterleiten, damit viele Fahrlehrer „Zugriff auf meine wertvollen Informationen haben.“
 
Das ist Aufklärung von Anfang an. Danke!

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10) Ein Staatsanwalt

schreibt mir, eine „offensive Bekanntmachung von geeignetem Verhalten bei Fehlfunktionen des Fahrzeugs, insbesondere kompromissloses Bremsen, kann zur allgemeinen Verkehrssicherheit beitragen“.
 
Ich wünschte mir mehr solche Staatsanwälte.

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11) TÜV Nord

 
"Wir können den von Ihnen in Ihren Schreiben dargestellten Sachverhalt, dass diese Unfälle durch Fehler in der Motorsteuerung, aber auch durch die Verwechslung von Gas- und Bremspedal entstehen, grundsätzlich bestätigen."
 
Wenn das das keine eindeutige Aussage ist!

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12) Kai Nehm, Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstages
 
"Gewiss gibt es hin und wieder Fälle, in denen betagte Seniorinnen beim missglückten Ausparken in Panik geraten und sodann ein wahres Schlachtfeld hinterlassen. …Im Allgemeinen scheint mir die Verwechslung von Gas- und Bremspedal jedoch selbst bei einem Automatikfahrzeug wenig wahrscheinlich."

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13) Abtprimas der Benediktiner Dr. Notker Wolf
 
"Wegen des Autos habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht. Mein XXXXX machte ähnliche Zicken. Beinahe hätte ich zwei Menschen überfahren."
 
Ob man ihm auch eine Verwechslung der Pedale unterstellt hätte?

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14) Ein Experte, der sich den Autoverkehr ohne Tote zum Ziel gesetzt hat
 
"Vielen Dank. Ich sehe da aber das Problem, dass Ihre Anfrage ins Leere laufen wird…. Wie gesagt, wir haben AUCH Fälle, wo Autofahrer wirklich Gas- und Bremse verwechselt haben.“
 
 „AUCH“  schreibt  er groß. Demnach kommt AUCH eine Verwechslung der Pedale vor. Die anderen sind wahrscheinlich Fehler der Motorsteuerung.


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15) Drei  Kfz-Meister aus zwei Lizenzwerkstätten

...fanden seinerzeit die Fehler an der Drosselklappe und an der Motorsteuerung an meinem Fahrzeug und waren so offen, mir diese Tatsachen mitzuteilen.
 
In der ersten Werkstatt wurde, wie üblich  eine Verwechslung unterstellt.  Weil ich genau wusste, dass ich nichts verwechselt hatte, suchte ich weiter.

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16) Aus China
 
"Toyota just paid out 1.2 billion US$ (MRD) in 2014 due to sudden acceleration issues. Very dangerous. Glad to know, that you are fine."
 
Toyota hat seit 2008 eine Schutzschaltung in alle PKW eingebaut, die verhindert, dass der Motor beim Bremsen Gas annimmt. Allerdings für diese Fälle wirkungslos, weil nicht eine Verwechslung der Pedale, sondern ein Motorfehler Hauptursache ist.

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17) Aus den USA
 
"Sudden acceleration has been a problem in the USA also; and still it occurs. But we must drive an auto sometimes. Please be careful."
 
Man hat sich also engagiert. Prozesse gehen hin und her.

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